dalailama.com  |  tibet.net  |  Kontakt  |

 
Home - Aktuelles
Archiv
 
 
 
 
 
 
 
Pressemeldungen - Nachrichten

Quelle: TCHRD / 21. November 2007

Rongye Adrak und weitere Tibeter zu langen Haftstrafen verurteilt

Das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) in Dharamsala/Nordindien ist zutiefst empört über die heute erfolgte hastige Verurteilung Rongye Adraks und drei weiterer Tibeter durch das Mittlere Volksgericht von Kardze und mißbilligt auf das schärfste das äußerst harte gegen sie ergangene Urteil.

Rongye Adrak, der am 29. Oktober 2007 vom Mittleren Volksgericht von Kardze vierer "Verbrechen", die von Störung der öffentlichen Ordnung bis zu Staatsgefährdung reichten, angeklagt wurde, ist einer dem TCHRD zugegangenen bestätigten Information zufolge heute zu acht Jahren Gefängnis mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für weitere vier Jahre verurteilt worden. Adruk Lopoe wurde zu zehn Jahren, Kunkhen (Jamyang Goinqen) zu neun Jahren und Lothok zu drei Jahren verurteilt.

Am 29. Oktober war Rongye Adrak, in Handschellen gelegt, dem Mittleren Volksgericht von Kardze vorgeführt und von diesem für schuldig befunden worden. Heute wurde er unter der Anklage der "Aufhetzung zur Spaltung des Staates und der Untergrabung der Einheit des Landes" sowie der "schweren Störung der öffentlichen Ordnung" zu acht Jahren Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf vier Jahre verurteilt.

Adruk Lopoe, ein Neffe Rongye Adraks, bekam mit zehn Jahren Gefängnis unter der Anklage der "Verschwörung mit ausländischen separatistischen Kräften zur Spaltung des Landes und der Verteilung politischer Pamphlete" die härteste Strafe. Kunkhen (Jamyang Goinqen), ein Künstler, der am 22. August willkürlich und ohne Angabe von Gründen von Organen des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) von Lithang festgenommen worden war, wurde wegen "spalterischer Aktivitäten" zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Lothok (ein 36jähriger Nomade und Vater von fünf Kindern aus Lithang) erhielt von demselben Gericht eine Strafe von drei Jahren. Es gibt keine Information über den physischen Zustand dieser Männer, noch wohin sie nach Verkündung des Urteils gebracht wurden.

Rongye Adrak, ein 52jähriger Nomade und Vater von 11 Kindern, wurde nach seiner friedlichen Solo-Demonstration am 1. August 2007 bei den jährlichen Reiterspielen von Lithang in Kardze, "Tibetische Autonome Präfektur" ("TAP"), Provinz Sichuan, verhaftet. Nach Adraks Festnahme durch Beamte des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB) von Lithang versammelten sich Hunderte von ortsansässigen Tibetern und Nomaden aus Lithang und Umgebung vor dem Haftzentrum des PSB, um ihre Solidarität mit Adrak zu bekunden und seine sofortige Freilassung zu fordern. Wenig später wurden sie von einem großen Kontingent paramilitärischer Kräfte in voller Kampfausrüstung unter Einsatz von Tränengas und Warnschüssen auseinandergetrieben.

Am Abend des 21. August 2007 stürmten Kräfte des PSB und der Bewaffneten Volkspolizei (People's Armed Police/PAP) von Lithang in großer Zahl plötzlich Adraks Heimatdorf Yonru Karshul, Kreis Lithang, "TAP" Kardze, Provinz Sichuan, und nahmen mehrere seiner Neffen fest. Nach Aussage unserer Quelle drangen die PSB- und PAP-Kräfte zuerst in Adraks Haus ein und fragten nach Adruk Lopoe, einem Mönch des Klosters Lithang, der den Appell für die Freilassung Adraks angeführt hatte. Da Adruk Lopoe nicht zu Hause war, nahmen die Sicherheitskräfte zwei seiner Brüder, Adruk Gyatso und Adruk Nyima, willkürlich fest und schafften sie gewaltsam in das örtliche PSB Haftzentrum. Die Milizen von PSB und PAP durchsuchten das ganze Haus der Familie auf der Suche nach Beweismaterial zur Unterstützung ihrer Anklage.

Unserer Quelle zufolge stellte sich der 45jährige Mönch Adruk Lopoe, nachdem er von der Festnahme seiner zwei Brüder erfahren hatte, wenige Stunden später dem PSB-Kreisamt von Lithang und erklärte dem diensthabenden Offizier, er sei die Person, die sie suchten, und sie sollten seine zwei Brüder jetzt freilassen. Ohne auf seine Bitte einzugehen, nahmen die PSB-Beamten auch ihn fest. Erst sechs Stunden später wurden Adruk Nyima und Adruk Gyatso wieder auf freien Fuß gesetzt. Adruk Lopoe, der sich mit Elan für die Ausbildung der Jugend einsetzte, ist auch ein engagierter Kämpfer gegen die Entwaldung, den Holzschlag und die Jagd von Wildtieren in seiner Heimat Kardze.

Auf die Protestaktion und die Verhaftung von Rongye Adrak hin starteten die chinesischen Behörden einen massiven Feldzug zur "patriotischen Erziehung" in allen monastischen Institutionen von Lithang und sogar in jenen Dorfgemeinden, in denen einige Tibeter festgenommen worden waren, die sich offen gegen die Behörden gestellt hatten.

Das TCHRD stellt die Integrität des chinesischen Gerichts in Frage, das tibetische Nomaden zu langen Haftstrafen verurteilt hat, nur weil sie gewaltlos ihre grundlegenden Menschenrechte wahrnahmen und den Wünschen der Tibeter in Tibet auf völlig friedliche Weise Ausdruck verliehen. Die Tatsache, daß das Mittlere Volksgericht von Kardze sein Urteil nur dreieinhalb Monate nach der Festnahme der Beschuldigten sprach, zeigt eindeutig, daß das ganze Justizverfahren summarisch und willkürlich war.

Das TCHRD wendet sich schärfstens gegen die Verurteilung von Rongye Adrak und der drei anderen Tibeter, denn indem sie ihr Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung wahrnahmen, verstießen sie weder gegen die Verfassung noch die Gesetze Chinas. Das TCHRD ist tief besorgt um das Schicksal von Rongye Adrak, Adruk Lopoe, Kunkhen und Lothok and ersucht die Regierungen in der ganzen Welt wie auch die internationale Gemeinschaft um sofortige Intervention. Da diese Nomaden nichts weiter getan haben, als daß ihre Meinung und ihre Gedanken frei zum Ausdruck gebracht und ihre grundlegenden Menschenrechte gewaltlos wahrgenommen haben, appelliert das TCHRD an die chinesischen Behörden, sie bedingungslos freizulassen.

Angesichts des Überhandnehmens summarischer Gerichtsprozesse und Verurteilungen an chinesischen Gerichten drängt das TCHRD die chinesischen Behörden, Rongye Adrak und den mit ihm Verurteilten eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens unter fairen Bedingungen mit angemessener gesetzlicher Vertretung zu gewähren und sich dabei an alle nationalen und internationalen rechtlichen Normen zu halten.

Fotos der Verurteilten siehe: http://www.tchrd.org/press/2007/pr20071120.html

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: MoKa

 

 

© The Tibet Bureau - Geneva 2007  |  TOP