dalailama.com  |  tibet.net  |  Kontakt  |

 
Home - Aktuelles
Archiv
 
 
 
 
 
 
 
Pressemeldungen - Nachrichten

Quelle: Süddeutsche Zeitung / 06.11.07

„Der Kopf des Buddhas fiel in seinen Schoss“

Pfarrer aus Weilheim berichtet von Unterdrückung der Religionsfreiheit in Tibet

von Henrik Bork

Peking – Ein Pfarrer aus Weilheim ist durch Zufall Augenzeuge der Repression in Tibet geworden. Auf einer Reise zum Berg Kailash in Westtibet konnte Pfarrer Robert Maier mit ansehen, wie chinesische Sicherheitskräfte eine von gläubigen Tibetern errichtete Buddha-Statue sprengten. Die knapp zehn Meter hohe Statue aus Beton hatte im Dorf Darchen am Fusse des Berges gestanden, der von Buddhisten als heilig verehrt wird.

Der Vorfall habe sich am Nachmittag des 28. September zugetragen, berichtete Maier der Süddeutschen Zeitung. Er habe gerade noch Fotos von der Statue gemacht, als Mitarbeiter der chinesischen Staatssicherheit erschienen seien und das Areal grossflächig abgeriegelt hätten. „Ich versuchte hinzugehen, wurde aber von einem Zivillpolizisten daran gehindert.“ Dann habe er die Detonation gehört. „Eine Rauchsäule stieg auf und der Kopf des Buddhas fiel in seinen Schoss“, sagt Maier. Die Tibeter seien erschüttert gewesen. „Auch ich war empört. Wegen der symbolischen Bedeutung dieses Ortes ist das so ähnlich, als würde man an einer katholischen Pilgerstätte eine Marienstatue sprengen“, sagte Maier.

Die chinesische Polizei teilte mit, die Statue sei ohne Genehmigung errichtet worden. Ein Bautrupp hob unterhalb der Statue mit einem Schaufelbagger eine Grube aus und arbeitete bei Flutlich eine ganze Nacht daran, sie darin zu versenken. Informationen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte zufolge hatte es sich um ein Abbild des „Padmasambhava“-Buddhas gehandelt, der im Volk auch „Guru Rinpoche“ genannt werde.

Die chinesischen Besatzungskräfte in Tibet zerstören seit mehreren Jahren regelmässig Buddha-Statuen und andere religiöse Monumente der Tibeter. Erst im Mai und im August waren der Bau von Statuen im Kloster Samye und im Dorf Rongpatsa im Bezirk Kardze verhindert worden. Gleichzeitig mehren sich Berichte, dass die chinesischen Behörden schärfer als bisher gegen Anzeichen von zivilem Ungehorsam in Tibet vorgehen, seit der Dalai Lama mit Empfängen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Präsident George W. Bush und anderen Staats- und Regierungschefs aussenpolitische Erfolge feiern konnte. So sind tibetische Kader und Lehrer entlassen worden, weil sie ihre Bewunderung für den Dalai Lama bekundet haben. Ein Tibeter sei verhaftet worden, weil er „Lang lebe der Dalai Lama“ gerufen habe, meldete Radio Free Asia.

 

 

© The Tibet Bureau - Geneva 2007  |  TOP