European Parliament
ANSPRACHE S. H. DES DALAI LAMA VOR DER VOLLVERSAMMLUNG DES
EUROPÄISCHEN PARLAMENTS

[ English ]
Eure Exzellenz, Herr Präsident, sehr geehrte Mitglieder des
Parlaments, meine Damen und Herren,
es ist mir eine große Ehre, heute zu Ihnen zu sprechen, und
ich danke Ihnen für Ihre Einladung. Wo immer ich hinkomme, gilt
mein vorrangiges Interesse oder Engagement der Förderung
menschlicher Werte wie Warmherzigkeit – darin sehe ich den
entscheidenden Faktor für ein glückliches Leben auf der
individuellen, der familiären und der gemeinschaftlichen Ebene.
In unserer modernen Zeit scheint diesen inneren Werten keine
ausreichende Beachtung geschenkt zu werden. Sie zu fördern ist
daher mein erstes Anliegen.
Mein zweites Interesse oder Anliegen ist die Förderung
interreligiöser Harmonie. Wir erkennen an, dass Pluralismus in
Politik und Demokratie sein muss, aber wenn es um Pluralität des
Glaubens und der Religionen geht, sind wir oft eher zögerlich.
Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Auffassungen und Philosophien
beinhalten alle großen religiösen Traditionen die gleiche
Botschaft von Liebe, Mitgefühl, Toleranz, Mäßigung und
Selbstdisziplin. Sie ähneln sich auch darin, dass sie das
Potential besitzen, den Menschen zu einem glücklicheren Leben zu
verhelfen. Dies also sind meine beiden hauptsächlichen
Interessen und Anliegen.
Natürlich liegt mir auch das Tibetproblem sehr am Herzen, und
ich trage eine besondere Verantwortung für das Volk von Tibet,
das in dieser äußerst schwierigen Zeit in der Geschichte Tibets
nach wie vor seine Hoffnung und sein Vertrauen in mich setzt.
Das Wohlergehen des tibetischen Volkes ist meine ständige
Triebkraft, und ich betrachte mich als sein freier Sprecher im
Exil.
Als ich am 24. Oktober 2001 das letzte Mal die Ehre hatte,
vor dem Europäischen Parlament zu sprechen, erklärte ich, dass
„trotz einer gewissen Entwicklung und trotz wirtschaftlichen
Fortschritts Tibet weiterhin vor fundamentalen Problemen zu
überleben steht. Schwere Menschenrechtsverletzungen sind überall
in Tibet weit verbreitet, sie resultieren häufig aus einer
Politik der rassischen und kulturellen Diskriminierung. Dabei
sind sie aber nur die Symptome und Folgen eines tiefer liegenden
Problems. Die chinesische Regierung sieht in Tibets besonderer
Kultur und Religion eine Quelle von Bedrohung und Abspaltung.
Dadurch ist infolge einer bewussten Politik ein ganzes Volk mit
seiner einzigartigen Kultur und Identität von Auslöschung
bedroht.“

Seit März dieses Jahres haben Tibeter aus allen
Gesellschaftsschichten und im gesamten tibetischen Hochland
gegen die repressive und diskriminierende Politik der
chinesischen Staatsmacht in Tibet demonstriert. In völligem
Bewusstsein der drohenden Gefahr für Leib und Leben gingen
Tibeter aus dem großtibetischen Raum Cholka-Sum (Provinzen
U-Tsang, Kham und Amdo) – Junge und Alte, Männer und Frauen,
Mönche und Laien, Gläubige und Nichtgläubige, darunter auch
Studenten – mutig auf die Straße, um spontan und couragiert
ihrem Ärger, Unmut und tief sitzenden Groll über die Politik der
VR China Luft zu machen. Ich war zutiefst betrübt über die
Verluste an Menschenleben auf tibetischer wie auch auf
chinesischer Seite, und ich appellierte umgehend an die
chinesische Regierung, Zurückhaltung zu üben. Da die chinesische
Regierung mich beschuldigt hat, Drahtzieher der jüngsten
Ereignisse in Tibet zu sein, habe ich wiederholt dazu
aufgerufen, ein unabhängiges und angesehenes internationales
Gremium einzusetzen, das die Angelegenheit gründlich untersuchen
und dazu auch nach Dharamsala, Indien, eingeladen werden soll.
Wenn die chinesische Regierung irgendwelche Beweise zur
Untermauerung solch schwerwiegender Anschuldigungen hat, dann
muss sie diese vor der Welt offen legen.
Bedauerlicherweise haben die chinesischen Behörden zu
brutalen Methoden gegriffen, um mit der Situation in Tibet
fertig zu werden, ungeachtet der Aufrufe von vielen führenden
Staatsmännern aus aller Welt, von NGOs und Persönlichkeiten von
internationalem Ansehen, Gewaltanwendung zu vermeiden und
Zurückhaltung zu üben. Bei den Ereignissen wurde eine große Zahl
von Tibetern getötet, Tausende wurden verwundet und
festgenommen. Es gibt viele, deren Schicksal nach wie vor völlig
ungewiss ist. Auch jetzt noch, da ich vor Ihnen stehe, gibt es
in vielen Teilen von Tibet eine massive Präsenz von bewaffneter
Polizei und Militär. In vielen Gebieten des Landes stehen die
Menschen de facto unter Kriegsrecht. Es herrscht eine Atmosphäre
von Angst und Einschüchterung. Tibeter in Tibet leben in der
ständigen Furcht, die nächsten zu sein, die verhaftet werden. Es
gibt in vielen Gegenden von Tibet keine internationalen
Beobachter, keine Journalisten und nicht einmal Touristen – das
bereitet mir tiefe Sorge um das Schicksal des tibetischen
Volkes. Jetzt haben die chinesischen Behörden vollständig freie
Hand in Tibet. Es ist, als ob über die Tibeter das Todesurteil
verhängt wurde, ein Urteil, dass den Geist des tibetischen
Volkes auslöschen soll.
Viele der ehrenwerten Mitglieder des Europäischen Parlaments
wissen sehr wohl um meine beständigen Bemühungen, eine
beiderseits annehmbare Lösung des Tibetproblems durch Dialog und
Verhandlungen zu finden. In diesem Geiste habe ich 1988 im
Europäischen Parlament in Straßburg einen förmlichen
Verhandlungsvorschlag vorgelegt, in dem keine Abspaltung und
keine Unabhängigkeit für Tibet gefordert wurden. Seit dieser
Zeit haben unsere Beziehungen mit der chinesischen Regierung
viele Irrungen und Wirrungen durchgemacht. Nach einer
Unterbrechung von fast zehn Jahren nahmen wir im Jahr 2002
wieder direkten Kontakt zur chinesischen Führung auf. Zwischen
meinen Abgesandten und Vertretern der chinesischen Führung haben
ausgiebige Diskussionen stattgefunden. In diesen Diskussionen
haben wir die Bestrebungen des tibetischen Volkes klar zum
Ausdruck gebracht. Der Kern meines Konzepts des Mittleren Weges
ist, dem tibetischen Volk echte Autonomie im Rahmen der
Verfassung der VR China zu sichern.
Während der 7. Gesprächsrunde in Peking am 1. und 2. Juli
dieses Jahres forderte die chinesische Seite uns auf, unsere
Ansichten zu echter Autonomie darzulegen. So haben wir am 31.
Oktober der chinesischen Seite das Memorandum über echte
Autonomie für das tibetische Volk übergeben. Dieses Memorandum
legt unsere Position zu echter Autonomie dar und dazu, wie den
Grundbedürfnissen der tibetischen Nationalität nach Autonomie
und Selbstregierung entsprochen werden kann. Wir haben diese
Vorschläge in der einzigen Absicht gemacht, ernsthaft die
wirklichen Probleme in Tibet anzugehen. Wir waren
zuversichtlich, dass mit gutem Willen die in unserem Memorandum
angesprochenen Themen umgesetzt werden könnten.
Leider hat die chinesische Seite unser Memorandum in Bausch
und Bogen zurückgewiesen und unsere Vorschläge als Versuch einer
„Semi-Unabhängigkeit“ und „maskierten Unabhängigkeit“ und damit
als inakzeptabel gebrandmarkt. Darüber hinaus beschuldigt uns
die chinesische Seite der „ethnischen Säuberung“, weil unser
Memorandum die Anerkennung des Rechts der autonomen Gebiete
beinhaltet, „Wohnsitz, Ansiedlung und Beschäftigung oder
geschäftliche Aktivitäten von Personen zu regulieren, die aus
anderen Teilen der VR China nach Tibet ziehen möchten“.
Wir haben in unserem Memorandum klargestellt, dass es nicht
unsere Absicht ist, Nicht-Tibeter des Landes zu verweisen. Was
uns Sorge macht ist die bewusst herbeigeführte massenhafte
Ansiedlung von vorwiegend Han-Chinesen, aber auch einigen
anderen Nationalitäten, in verschiedenen Gebieten von Tibet, was
die einheimische Bevölkerung an den Rand drängt und eine
Bedrohung für die empfindliche natürliche Umwelt darstellt.
Größere durch massive Migration bedingte demografische
Veränderungen führen eher zu Assimilation als zur Integration
der tibetischen Nationalität in die VR China und werden so
allmählich bewirken, dass die einzigartige Kultur und Identität
des tibetischen Volkes ausgelöscht werden.
Die Fälle der Völker der Mandschurei, der Inneren Mongolei
und Ostturkestans in der VR China liefern anschauliche Beispiele
für die verheerenden Folgen eines massiven Bevölkerungstransfers
der dominierenden Han-Chinesen in die Gebiete der nationalen
Minderheiten. Heute sind die Sprache, Schrift und Kultur des
Mandschu-Volkes ausgelöscht. In der Inneren Mongolei sind heute
bei einer Gesamtbevölkerung von 24 Millionen nur 20 Prozent
einheimische Mongolen.
Auch wenn einige Hardliner unter den chinesischen Offiziellen
das Gegenteil behaupten, aus den Ihnen vorliegenden Exemplaren
unseres Memorandums geht klar hervor, dass wir die Besorgnisse
der chinesischen Regierung bezüglich der Souveränität und
Integrität der VR China gebührend berücksichtigt haben. Das
Memorandum spricht für sich selbst. Ich würde mich über Ihre
Kommentare und Vorschläge freuen.
Ich nehme diese Gelegenheit wahr, an die Europäische Union
und das Parlament zu appellieren, alles in ihrer Macht Stehende
zu unternehmen und keine Mühen zu scheuen, um die chinesische
Regierung dazu zu bringen, die Tibetfrage durch ernsthafte
Verhandlungen zum gemeinsamen Wohl des tibetischen und des
chinesischen Volkes zu lösen.
Nach wie vor lehne ich den Gebrauch von Gewalt als Mittel in
unserem Kampf entschieden ab, doch wir haben alles Recht, jede
andere uns zur Verfügung stehende politische Option zu prüfen.
Im Sinne angewandter Demokratie habe ich eine Sonderkonferenz
der Tibeter im Exil angeregt, um die Lage des tibetischen Volkes
und des Tibetproblems sowie den künftigen Kurs unserer Bewegung
zu diskutieren. Die Konferenz fand vom 17.–22. November 2008 in
Dharamsala, Indien, statt. Das Ausbleiben einer positiven
Reaktion der chinesischen Führung auf unsere Initiativen hat den
Argwohn vieler Tibeter bekräftigt, dass die chinesische
Regierung keinerlei Interesse an irgendeiner Art von beiderseits
annehmbaren Lösungen hat. Viele Tibeter glauben nach wie vor,
dass die chinesische Führung auf konsequente und vollständige
Assimilierung und das Aufgehen Tibets in China setzt. Sie
fordern daher die volle Unabhängigkeit Tibets. Andere
befürworten das Recht auf Selbstbestimmung und sind für ein
Referendum in Tibet. Trotz dieser unterschiedlichen Ansichten
haben die Delegierten der Sonderkonferenz einhellig beschlossen,
mich dazu zu ermächtigen, je nach der herrschenden Situation und
den Veränderungen, die in Tibet, China und weltweit stattfinden,
über den besten Weg zu entscheiden. Ich werde die Vorschläge der
fast 600 Sprecher und Delegierten aus Tibetergemeinden aus der
ganzen Welt, darunter auch die eines repräsentativen
Querschnitts von Tibetern aus Tibet, die wir erhalten haben,
aufmerksam durchsehen.
Ich glaube fest an die Demokratie. Daher habe ich die Tibeter
im Exil immer wieder ermutigt, dem Pfad der Demokratie zu
folgen. Heute ist die tibetische Diaspora wohl eine der wenigen
Flüchtlingsgemeinschaften, die alle drei Säulen der Demokratie
errichtet hat: Legislative, Judikative und Exekutive. Im Jahr
2001 haben wir einen weiteren großen Schritt im
Demokratisierungsprozess getan, als wir den Vorsitzenden des
Kashag (des Kabinetts) der Tibetischen Verwaltung im Exil durch
allgemeine Wahl wählen ließen.
Ich habe immer die Meinung verfochten, dass letzten Endes das
tibetische Volk in der Lage sein muss, über die Zukunft Tibets
zu entscheiden. Schon Pandit Nehru, der erste Premierminister
Indiens, sagte am 7. Dezember 1950: „Das letzte Wort zu Tibet
sollte das tibetische Volkes haben und niemand sonst.“
Die Tibetfrage hat Dimensionen und Implikationen, die weit
über das Schicksal von sechs Millionen Tibetern hinausgehen.
Tibet liegt zwischen Indien und China. Über Jahrhunderte bildete
Tibet eine Pufferzone des Friedens, die die beiden
bevölkerungsreichsten Länder der Erde voneinander trennte. 1962
jedoch, nur wenige Jahre nach der so genannten „friedlichen
Befreiung Tibets“, wurde die Welt Zeuge des historisch ersten
Krieges zwischen den zwei asiatischen Giganten. Das zeigt
deutlich, wie wichtig eine gerechte und friedliche Lösung der
Tibetfrage für dauerhaftes und echtes Vertrauen und für
Freundschaft zwischen den zwei mächtigsten Nationen Asiens ist.
Die Tibetfrage hat auch mit Tibets empfindlicher Umwelt zu tun,
die sich, wie Wissenschaftler festgestellt haben, auf weite
Teile Asiens und auf Milliarden von Menschen auswirkt. Das
tibetische Hochland ist der Ursprung vieler der größten Flüsse
Asiens. Tibets Gletscher sind die größten Eismassen der Erde
außerhalb der Polargebiete. Manche Umweltschützer nennen Tibet
heute den Dritten Pol. Und sollte der gegenwärtige
Erwärmungstrend anhalten, dann könnte der Indus innerhalb der
nächsten 15–20 Jahre austrocknen. Da im übrigen das kulturelle
Erbe Tibets auf dem buddhistischen Prinzip des Mitgefühls und
der Gewaltlosigkeit beruht, betrifft das nicht nur die sechs
Millionen Tibeter, sondern auch die mehr als 13 Millionen
Menschen jenseits des Himalaya, in der Mongolei und in den
Republiken Kalmykien und Burjatien in Russland sowie eine
zunehmende Zahl chinesischer Brüder und Schwestern, die an
dieser Kultur mit ihrem Potential, zu einer friedlichen und
harmonischen Welt beizutragen, teilhaben.
Meine Maxime ist immer gewesen, das Beste zu hoffen und auf
das Schlimmste vorbereitet zu sein. Eingedenk dessen habe ich
den Tibetern im Exil geraten, sich energischer um die Bildung
der jüngeren Generation von Tibetern, um die Stärkung unserer
kulturellen und religiösen Einrichtungen im Exil zur Bewahrung
unseres reichen kulturellen Erbes und um die Ausweitung und
Stärkung der demokratischen Institutionen und der
Zivilgesellschaft in der tibetischen Flüchtlingsgemeinschaft zu
bemühen. Eines der Hauptziele unserer Exilgemeinschaft ist es,
unser kulturelles Erbe dort zu bewahren, wo wir die Freiheit
haben dies zu tun. Wir wollen die freie Stimme unseres
gefangenen Volkes innerhalb Tibets sein. Die Aufgaben und
Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind gewaltig. Als
Flüchtlingsgemeinschaft haben wir von Natur aus nur begrenzte
Mittel. Wir Tibeter müssen uns auch der Realität stellen, dass
unser Exil womöglich noch lange andauern wird. Daher wäre ich
der Europäischen Union dankbar für Unterstützung unserer
Bemühungen in Bildung und Kultur.
Ich bin sicher, dass der prinzipienfeste und konsequente
Umgang des Europäischen Parlaments mit China auf den
Wandlungsprozess, der in China schon stattfindet, einwirken
wird. Der globale Trend geht in Richtung auf mehr Offenheit,
Freiheit, Demokratie und Achtung der Menschenrechte. Früher oder
später wird sich China diesem Trend anschließen müssen. In
diesem Zusammenhang möchte ich dem Europäischen Parlament mein
Lob aussprechen für die Verleihung des renommierten
Sacharow-Preises an den chinesischen Menschenrechtler Hu Jia.
Das ist ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der wir sehen,
wie rasch sich China weiterentwickelt. Mit seinem neu gewonnenen
Status ist China gewappnet, eine wichtige führende Rolle auf der
Weltbühne zu spielen. Damit es diese Rolle ausfüllen kann, ist
es, wie ich meine, lebenswichtig für China, Offenheit,
Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Informations- und
Meinungsfreiheit zu haben. Zweifellos wird sich die Haltung und
die Politik der Mitglieder der internationalen Gemeinschaft
gegenüber China auf den Verlauf des Wandels, der dort
stattfindet, ebenso auswirken wie innenpolitische Ereignisse und
Entwicklungen.
Im Gegensatz zu der nach wie vor völlig unnachgiebigen
Haltung der chinesischen Regierung gegenüber Tibet gibt es zum
Glück im chinesischen Volk – vor allem in den informierten und
gebildeten chinesischen Kreisen – zunehmendes Verständnis und
Mitgefühl für die Not des tibetischen Volkes. Auch wenn mein
Glaube an die chinesische Führung in Bezug auf Tibet immer
weiter abnimmt, so ist mein Glaube an das chinesische Volk doch
ungebrochen. Ich habe daher dem tibetischen Volk geraten, sich
vereint zu bemühen, auf das chinesische Volk zuzugehen.
Chinesische Intellektuelle haben offen die brutale
Niederschlagung der tibetischen Demonstrationen durch die
chinesische Regierung im März dieses Jahres kritisiert und zu
Mäßigung und Dialog bei der Behandlung der Probleme in Tibet
aufgerufen. Chinesische Anwälte haben öffentlich angeboten,
verhaftete tibetische Demonstranten vor Gericht zu vertreten.
Heute gibt es unter unseren chinesischen Brüdern und Schwestern
zunehmend Verständnis, Sympathie, Unterstützung und Solidarität
für die schwierige Situation der Tibeter und ihre legitimen
Bestrebungen. Das ist sehr ermutigend, und ich benutze diese
Gelegenheit, um den tapferen chinesischen Brüdern und Schwestern
für ihre Solidarität zu danken.
Ebenso danke ich auch dem Europäischen Parlament für die
stetige Bekundung von Interesse und Unterstützung für den
gerechten und gewaltlosen tibetischen Kampf. Ihre Sympathie,
ihre Unterstützung und Solidarität sind für das tibetische Volk
innerhalb wie auch außerhalb Tibets immer eine große Quelle der
Inspiration und Ermutigung gewesen. Meinen besonderen Dank
möchte ich den Mitgliedern der Tibet Intergroup des Europäischen
Parlaments aussprechen, sie haben die Tragödie des tibetischen
Volkes nicht nur in den Mittelpunkt ihrer politischen Arbeit
gestellt, sondern sie auch zu einer Herzensangelegenheit
gemacht. Die zahlreichen Resolutionen des Europäischen
Parlaments zu Tibet haben sehr geholfen, die Not des tibetischen
Volkes ins Blickfeld zu rücken und das Bewusstsein für die
Tibetfrage in der Öffentlichkeit und bei den Regierungen hier in
Europa und auf der ganzen Welt zu schärfen.
Die Beharrlichkeit, mit der das Europäische Parlament Tibet
unterstützt, ist in China nicht unbemerkt geblieben. Ich
bedauere, wenn das zu einigen Spannungen im Verhältnis EU-China
geführt hat. Dennoch möchte ich Ihnen versichern, dass ich die
tiefe Hoffnung und Überzeugung hege dass die Zukunft von Tibet
und China das Misstrauen überwinden und eine Beziehung entstehen
wird, die auf gegenseitiger Achtung, Vertrauen und Anerkennung
gemeinsamer Interessen basiert – ungeachtet der gegenwärtigen so
düsteren Situation in Tibet und des festgefahrenen Dialogs
zwischen meinen Abgesandten und der chinesischen Führung. Ich
habe keinen Zweifel daran, dass sich Ihre steten Bekundungen der
Sorge und Unterstützung für Tibet auf lange Sicht positiv
auswirken und dazu beitragen werden, das notwendige Umfeld für
eine friedliche Lösung der Tibetfrage zu schaffen. Ihre weitere
Unterstützung ist deshalb von entscheidender Bedeutung.
Ich danke Ihnen für die Ehre, Ihnen meine Gedanken darlegen
zu dürfen.
Brüssel, 4. Dezember 2008 |